Tagestrip nach Bratislava
von Marcel Kalisch
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Bratislava sollte es also sein, ok gut, dann Bratislava. Bratislava, das nicht nur eintausend Jahre lang unter dem Namen Pressburg bekannt, sondern auch noch 250 Jahre lang die zweite Heimat der österreichischen Habsburger war. Schon die Kaiserin Maria Theresia liebte diese Stadt und war dort häufig anzutreffen, zumindest wenn wir der Literatur Glauben schenken dürfen. Aber wenn wir bereits einmal dabei sind, dann sollte auch erwähnt werden, dass insgesamt zehn ungarische Könige und eine Königin im Dom der ehemaligen ungarischen Hauptstadt gekrönt wurden. Mit so einer weitreichenden Geschichte wie es Bratislava nachzuweisen hat, kann kaum eine europäische Stadt mithalten. Ein Grund mehr dieser Geschichte auf den Grund zu gehen und der nur von Wien 60 Kilometer entfernten Stadt vollste Aufmerksamkeit zu schenken. Aufmerksamkeit für die kaiserlichen Prunken, den sozialistischen Bauwerken, den prächtigen Gründerzeithäusern. Bratislava ist eine Stadt der Gegensätze, zwischen Kitsch und einer städtischen Neuerfindung. Aber wieso wird dieser Stadt nur so wenig Aufmerksamkeit geschenkt? Wieso steht diese historisch schöne Stadt im Schatten vieler anderer europäischen Städte und wieso steht in Bratislava eigentlich ein Ufo?

Die Entscheidung, wie wir nach Bratislava fahren, fiel uns nun wirklich nicht schwer. Wir genießen den Vorteil, aufgrund unseres Heimatortes Wien, die Nähe zu Bratislava - immerhin nur 60 Kilometer Luftlinie trennen beide Städte voneinander. Einer cleveren Marketingstrategie ist es zu verdanken, dass beide Städte nicht nur die direkte Verbindung durch die Donau ausnutzen können, sondern diese geschickt durch ein Boot entlang des rund zwölf Kilometer gestreckten Donaukanals führt. „Twin Cities (Liner)“ werden die beiden nächstgelegenen europäischen Hauptstädte genannt, ebenso auch die angebotene Bootstour. Die Fahrt mit dem Twin City Liner war einfach nur traumhaft, nicht nur weil wir mit einer Reisegeschwindigkeit von 32,5 Knoten (60 km/h) über die Donau düsten und mir die Haare zu Berge standen und wir innerhalb von 75 Minuten in Bratislava ankamen, nein nicht deswegen - traumhaft, weil wir mir dem Liner durch den Nationalpark der Donauauen mit teilweise 60 Meter hohen Baumriesen gefahren sind und die Landschaft um uns herum einfach nur genießen konnten. Ein absolutes Muss für jeden Naturliebhaber.

Bei der Ankunft am Hafen, welcher im Zentrum von Bratislava liegt, sind uns gleich die vielen in Pastellfarbenen Stadtpaläste aus der Barockzeit aufgefallen. Es wirkte bei der Ankunft dadurch auch alles etwas chaotisch, den Anblick dieser Bauten wollten wir nicht aus dem Auge verlieren, aber die Firmen der unterschiedlichen Sightseeing-Touren standen gleich parat, um jeden Touristen für sich zu werben und zu den entsprechenden Sehenswürdigkeiten der Stadt zu bringen. Verständliches Handeln, aber irgendwie auch nervig. Bei diesem Tagestrip konzentrierten wir uns mehr auf die Altstadt von Bratislava. Dass die Architektur in Städten auch eine grausame Gestalt annehmen kann, sahen wir bei unserem Spaziergang vom Donauufer in die Altstadt - eine vierspurige Autobahn frisst sich hindurch, ein grausamer Anblick mit einer reinen Fläche bestehend aus Teer und Pflastersteinen. Wie uns erzählt wurde, entstand diese Autobahn in den 1970er Jahren und wurde als Zubringer für eine neue Donaubrücke, welche an den slowakischen Nationalaufstand erinnert werden sollte, gebaut. Hier musste übrigens leider „nur“ ein ganzes Stadtviertel inklusive Synagoge weichen. Das bezeichnen wir dann einmal als ein Fail in der Stadtentwicklungsplanung. Durch das schlendern in der Altstadt konnten wir nähere Eindrücke in die wunderschönen Stadtpaläste erhalten. Vielen Bauten ist es anzusehen, dass sie sich in den letzten Jahren einer umfangreicheren Sanierung unterzogen haben müssen - was aber in diesem Fall definitiv nicht negativ zu bewerten ist. Das historische Zentrum der ehemaligen geprägten Habsburger-Vergangenheit wurde durch die umfangreichen Sanierungsarbeiten hervorragend herausgeputzt. Die kleinen Gassen sind so romantisch, dass wir es bedauerten nicht auch in der Abenddämmerung durchlaufen zu konnten - als Hobby- oder Profifotograf können gerade in den Abendstunden hier schöne Aufnahmen entstehen. Am Tag jedoch sind die idyllischen Gassen geprägt von Touristen, welche an den zahlreichen Souvenirständen sich mit Magneten, Schlüsselanhänger oder Tassen eindeckten. Ja wir können schon behaupten, dass die Altstadt von Bratislava in den Händen der Touristen ist und sich auch dementsprechend ein entsprechendes Angebot vorfindet. Aber in welcher Altstadt ist das mittlerweile nicht mehr so?! Was dazu hinführt, dass in der Altstadt kaum EinwohnerInnen leben und sich diese eher auf die Neubaugebiete verteilen. An und für sich sehr schade, denn das lässt auch so den eigentlich gewünschten typischen bratislavischen Flair verschwinden. Bei dem Spaziergang durch die Altstadt kamen wir am alten Rathaus vorbei, das Gebäude steht am Hauptplatz und ist eines der ältesten aus Stein gebauten Gebäude in Bratislava. Wir saßen auf dem Maximiliansbrunnen - auch Rolandsbrunnen genannt - und genossen bei einer kurzen Pause dieses prachtvoll schnuckelige Gebäude. Übrigens ist dieser erwähnte Brunnen einer der ältesten Brunnen in Bratislava. Auf dem Weg zur Burg kamen wir noch am Michaelertor vorbei, welcher übrigens ein Überrest der mittelalterlichen Befestigungsanlage ist und ca. 51 Meter in die Höhe ragt. In ihr soll sich wohl eine Waffenausstellung befinden, aber da wir uns nicht sonderlich für Waffen interessieren und auch gegen jegliche Form und Einsetzen von Waffen sind, „marschierten“ wir weiter Richtung „Frieden“. Durch das Bummeln in der Altstadt begegneten wir auch immer wieder den sehr auffallenden lustigen Bronzefiguren - dabei sind uns drei unterschiedliche Bronzefiguren aufgefallen, wobei einer als Paparazzo mit seiner Kamera Jagd auf die Passanten in der Laurinská Straße macht, einer schaut aus dem Gulli-Loch heraus und vielleicht versucht er sich mit seinen Blicken unter den Rock der Damen und die letzte Bronzefigur zieht seinen Hut und grüßt recht freundlich alle vorbeilaufenden Menschen.

Nach dem Spaziergang in der Altstadt ging es zu einer unverzichtbaren Sehenswürdigkeit und zu einem Wahrzeichen der Stadt - die Burg Bratislava, oder wie auf slowakisch so gern gesagt wird „Bratislavsky hrad“. Die Burg thront westlich der Altstadt von Bratislava auf einem 85 Meter hohen Felsen und wurde ab dem 13. Jahrhundert zu der jetzt bekannten Festung ausgebaut - übrigens war die Burg auch die Residenz von Maria Theresia und eine ungarische Reichshälfte. Die Burg beeindruckte uns, auch die Aussicht auf die „Brücke mit dem Ufo“ und das weite Hinterland war ein genussvoller Anblick. Ein weiteres Wahrzeichen der Stadt ist die bereits schon erwähnte Brücke, welche an den slowakischen Nationalaufstand erinnern soll, mit seinem scheibenförmigen Objekt oberhalb der Brücke auf dem Pylon. Die Brücke wird „Novy Most“ bezeichnet und ist gerade wegen der markanten Architektur eines der neueren Wahrzeichen Bratislava’s. Warum aber auf der Brücke ein architektonisches scheibenförmiges Objekt errichtet wurde, weiß leider keiner so genau. Sein Aussehen ähnelt eher dem eines Ufos und wurde wohl laut Gerüchten als Abhöranlage gegen den Westen errichtet. Jetzt jedenfalls ist es ein Restaurant und eine Aussichtsplattform. Beides erreicht ihr mit einem Aufzug, welcher euch in rasanter Geschwindigkeit in 80 Metern Höhe befördert. Das vorzufindende Restaurant haben wir nicht getestet, aber die Aussichtsplattform lohnt sich auf jeden Fall - die Sicht reicht von der Burg im Norden, die österreichischen Windräder im Westen bis hin zu den Hochhäusern von Petrzalka, einem Vorort von Bratislava, welcher nicht anders ausschaut als eines der sozialistischen Wohnbausiedlungen in Moskau, Berlin oder Halle-Neustadt. Immerhin 100.000 Menschen leben in diesem Stadtteil, es ist also eines der größten Trabantenstädte Europas.

Ein Kurzbesuch in Bratislava zahlt sich aber dennoch aus. Die Hauptstadt der Slowakei hat uns mit vielen schönen Plätzen zum verweilen gelockt und konnte vor allem auch mit seinem mediterranen Flair punkten. Warum die Stadt bisher immer so im Schatten stand, können wir selbst nicht wirklich beantworten - zu unrecht finden wir. Die Menschen sind sehr freundlich, zuvorkommend, lieb und auch wenn du nichts kaufen solltest, haben sie dich lieb und schenken dir ein Lächeln. Bratislava ist von Wien in kürzester Zeit erreichbar (60-75 Minuten) und Dank des Schenger-Abkommens gibt es auch keine nervigen Grenzkontrollen. Die interessantesten Plätze konzentrieren sich im Zentrum der Altstadt und ist für einen guten Überblick über die Sehenswürdigkeiten in Bratislava an einem Tag durchaus ausreichend und machbar.

 

Tipps:
  • In Bratislava können wir euch keine Gastronomische Einrichtung empfehlen, da wir selbst auch nur ein paar ausgewählt und probiert haben. Aber negativ können wir über diese nichts schreiben und von daher könnt ihr ja gerne einmal im Restaurant „Le Monde“ in der Hviezdoslavovo námestie speisen, welches sich gegenüber des slowakischen Nationaltheater’s befindet.  Des Weiteren können wir die Bar „San Marten“, welche direkt gegenüber des Martinsdom liegt, in der Panská Straße, empfehlen.
  • Genießt, insofern es euch möglich ist, auf jeden Fall die Fahrt mit dem Schiff. Die Preise variieren allerdings je nach Uhrzeit und Tag sowie auch der Jahreszeit - aber so um die 30€ für eine Strecke könnt ihr locker rechnen. Ein Preis, der es zwar für 75 Minuten in sich hat, aber durch die Landschaften der Donauauen es wieder wett macht. Alternativ fahren auch Busse, Züge oder ihr nutzt das Fahrrad (was übrigens für uns im Sommer ansteht :)
  • Die Stadtrundfahrt in Bratislava könnt ihr euch eigentlich schenken und wir empfehlen das Erkunden zu Fuß. Falls es aber nicht anders geht oder sogar gewünscht ist, werdet ihr bei eurer Ankunft mit Angeboten nur so überhäuft.
  • Sehenswert ist auf jeden Fall die Burg Bratislava, welche ihr zu Fuß oder mit einem Bus erreichen könnt. Der Weg lohnt sich, denn ihr werdet nicht nur mit einem beeindruckenden Bau überrascht, sondern auch mit einer tollen Aussicht auf die Stadt.
  • Ihr solltet auch unbedingt die einheimischen Weine und Biere probieren, mir hat es vor allem der Wein angetan.
  • Lasst euch von den idyllischen Gassen der Altstadt treiben und genießt es bei einem ausgiebigen Spaziergang. Künstler oder Autoren werden sich wohl in diesen Gassen bestens inspirieren lassen können. Für Hobbyfotografen sei noch die Abenddämmerung zu empfehlen, denn dann wird aus der idyllischen Atmosphäre  ein Amazing ;)
  • Nehmt euch auch ein paar Stunden die Zeit und genießt gerade im Sommer mit einem Eis in der Hand wie die Einheimischen die Ruhe und pulsierende Kraft am Flussufer, das ist genau das Richtige um wieder frische Energie zu bekommen. 
  • Oder aber, schreibt uns doch was wir versäumt haben…

 

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