Rhodos - die Sonneninsel abseits der Touristenpfade
von Marcel Kalisch
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Einmal um die Insel – vom Flughafen, zum Flughafen. Paradísi - Theológos - Kámiros – Kritinía – Siána – Monólithos – Apolakkiá – Kattaviá – Prasonísi – Líndos – Rhódos (Stadt). Etwa 70km zu Fuß, 60km per Anhalter und ca. 50km mit dem Bus. Sieben Tage. Eine spontane Bergtour, der Schrei nach Wasser und ein Ausflug nach Prasonísi. Mein Aufenthalt auf der Sonneninsel war die richtige Mischung aus Erholung, Kultur und aktivem Urlaub.

Meine Mutter schwärmte, mein Onkel schwärmte, meine Tante schwärmte sowie einige Menschen aus den üblich bekannten Kreisen schwärmten. Alle schwärmten von Rhodos. Doch kam von mir die Frage, was denn an Rhodos so schön sei, kam stets die gleiche Antwort: „Der Strand war schön und das Hotel war gut“ - Bäh...würg, ekelhaft. Also mir konnte keiner so wirklich die Frage beantworten, warum denn Rhodos so schön ist. Was macht die Insel zu dem, was sie ist? Warum schwärmen denn nun alle von dieser Insel? Die Fragen regten stets meine Gedanken an und verbinde ich das mit einer Bahnfahrt von zu Hause zur Uni, hätte mich die eine oder andere Reaktion meines Gegenübers nicht wundern dürfen – mein Gesichtsausdruck hätte ich zu diesem Zeitpunkt selbst einmal gerne gesehen. Also wie klären wir nun das Problem? Genau, richtig, Tasche packen und los. Die anderen müssen ja nicht unbedingt recht haben, wer weiß was die erzählen. Der Zeitpunkt dürfte nicht besser gewesen sein, gerade habe ich mein Studium zum Bachelor of Science abgeschlossen, Geld gespart und verrückt für so etwas bin ich sowieso – also los.

Mit dem Flugzeug flog ich an die Grenze zwischen Europa, Asien und Afrika – zur Inselgruppe des Dodekanes, nach Rhodos. Rhodos ist mit seinen 78km Länge (Luftlinie von der Nordküste zur Südküste) und 38km Breite (Luftlinie von der Ostküste zur Westküste) die viertgrößte Insel von Griechenland sowie die Hauptinsel der Dodekanes-Gruppe in der Südost-Ägäis. Die Insel ist von einer anständigen Typografie geprägt, die höchste Erhebung ist mit 1215m der Attavyros – wobei der Süd- und Nordteil der Insel deutlich flacher sind. Nach meinen Erfahrungen ist die westliche Küste noch sehr interessant typografisch geprägt, die östliche Küste dagegen ist dann schon wieder etwas gemütlicher. Eine Reise, ohne irgendwas vorher gebucht zu haben, ohne vorher eine Schlafmöglichkeit organisiert zu haben, einfach nur den Backpackers schnappen und los, war für mich selbst eine komplett neue Erfahrung - aber definitiv die richtige Entscheidung. Ok ich muss gestehen, nach der Landung war es schon ein merkwürdiges Gefühl zu sehen, wie die Leute alle gezielt mit ihren Bussen abfuhren und ich erst einmal ohne Plan dastand. Wie heißt es so schön? Planlos geht ein Plan los oder der beste Plan ist keinen Plan zu haben – so war es letzten Endes auch.

Nachdem ich mich noch am Flughafen mit Wasser versorgt hatte, lief ich zu Fuß einfach los, immer die Westküste abwärts Richtung Süden, ohne überhaupt zu wissen wo es mich hin verschlägt oder ob ich überhaupt eine Übernachtungsmöglichkeit finden werde. Wie dem auch sei, ließ ich mich davon nicht beirren oder einschüchtern. Der erste Ort an dem ich ankam war Paradísi, ein kleines Örtchen direkt am Flughafen gelegen. Keine schöne Gegend – über all waren die Spuren der Touristen und Fluggesellschaften zu erkennen und die startenden und landenden Flugzeuge brachten eine gewisse Unruhe in das Dorf (und das ist noch höflich formuliert). Hier hielt es mich noch nicht wirklich, allerdings war es nett anzusehen, wie es die BewohnerInnen schafften ihr Viehzeug auf einem Sattler zu transportieren. Langsam ging die Sonne unter, zwischendurch hielt ich immer mal an und holte mir noch schnell das eine oder andere Sonnenuntergangsbild. Als ich dann in Theológos ankam, blieb mir nur noch Zeit eine Unterkunft zu suchen und ein Zimmer zu beziehen – das funktionierte alles recht problemlos schnell, zum Glück. Am nächsten Tag stellte ich dann allerdings fest, dass Theológos noch nicht das ist, was ich mir von Rhodos vorstelle bzw. erhoffte zu finden. Gäste aus Russland und der Ukraine prägten voranging Theológos, noch zu viel Tourismus, noch zu viel tara. Ein Gutes hatte es allerdings gehabt, ich konnte mit einem russischen Pärchen eine Bekanntschaft schließen und die zwei hatten auch noch den selben Weg wie ich – hoch zu Kámiros, ein umfangreiches Grabungsfeld an der Westküste, welches ein anschauliches Beispiel einer antiken hellenistischen Stadtanlage darstellt und deren Erhaltung allein durch Eintrittsgelder finanziert wird. Die zwei brachten mich freundlicher Weise mit dem Auto noch nach Kritinía, wo meine gewohnte Tour weitergehen sollte.

Kritinía liegt ein bisschen im Tal, so hatte ich den Anschein, umgeben von Bergen und grünen Oasen – wirklich hübsch. Nach meiner Mittagsruhe zog es mich aber weiter Richtung Süden, wohin auch sonst ;) Der Weg von Kritinía gestaltete sich dann etwas mühsam und verloren, irgendwie bin ich vom Weg abgekommen und war irgendwo im Nirgendwo angelangt. Es war kein beruhigendes Gefühl, vor allem weil meine Wasserflasche durch Schusseligkeiten vergessen wurde aufzufüllen. Die Sonne schien blank auf meine Stirn, ich war irgendwo dann doch schon mit den Kräften am Ende – kein Wasser, kein Bauer, kein Mensch weit und breit. Also legte ich mich unter einen Baum, es war verdammt nochmal, glaube ich, auch der einzige weit und breit, und versuchte etwas zu schlafen, um wieder genug Energie für die nächsten Schritte zu haben. So vergingen bei einer kleineren Mittagspause gute ein bis zwei Stunden. Das schlimmste war allerdings, nicht ausreichend Wasser dabei gehabt zu haben – das war mir allerdings für meine darauffolgenden Touren eine Lehre. Mir ist bis heute nicht ganz klar wie ich es geschafft hatte, aber irgendwann gelang ich auf die Hauptstraße, von der ich abgekommen war und eigentlich entlang laufen wollte – nun ja, so hatte ich wenigstens ein bisschen unberührte Landschaft gesehen. Als mich meine Füße ein paar Meter trugen, traf ich auf einen Honigstand. So wirklich konnten meine Augen es gar nicht glauben, ein Honigstand mitten in der Peripherie, wo vielleicht hin und wieder mal ein Auto vorbei fährt. Mir war es recht und wollte nicht klagen. Obwohl wir uns aufgrund von mangelnder Sprachkommunikation überhaupt nicht verständigen konnten, war der Sohn des Ehepaars, welchem vermutlich dieser Stand gehört hatte, so freundlich und fuhr mich mit dem Auto nach Siána. Zum Glück, muss ich sagen, denn ich war dann doch schon mit den Kräften an meine Grenzen gegangen. Was hatte ich für ein Glück, so konnte ich eine Nacht noch bei einer Familie unterkommen und mich in Siána von der doch ungewollt spontanen Bergtour ausruhen. Siána ist ein ganz kleines Dörfchen, sehr niedlich von den BewohnerInnen gestaltet. Hin und wieder hält ein Bus im Dorf an, Touristen steigen für einen kurzen Aufenthalt aus und die BewohnerInnen versuchen ihre Waren zu verkaufen – es war schon eine amüsante Beobachtung. Meistens starteten die Busse von Rhodos (Stadt), als eine Art Sightseeingtour durch die Insel. Nach meinem Erholungstag ging es dann zu Fuß weiter Richtung Monólithos.

In Monólithos genoss ich die regionale Küche, bevor ich mir das Monólithos Castle anschauen ging. Nicht weit entfernt von Monólithos ist der Strand Kap Fourni zu erreichen. Der Strand ist nicht gleich für jeden sichtbar und liegt etwas versteckt - wenn man an dem Monólithos Castle ca. 5km vorbei fährt, kommt man nach einigen Serpentinen zum Kap Fourni. Kap Fourni ist mit seiner kleinen Badebucht ein eher abgelegener und nicht von Touristen geplagter Kiesstrand. Wer auf Rhodos einen Strand mit Ruhe, Einsamkeit und Entspannung sucht, ist da bestens aufgehoben. Hin und wieder verirrt sich dort schon noch der eine oder andere Urlauber, allerdings ist man dort größtenteils ungestört und könnte auch seinen FKK-Bedürfnissen nachgehen, ohne jemanden vielleicht durch Religionshintergründe zu verletzen. Als ich wieder die steile Landschaft hinauf steigen wollte, begegnete ich einem Pärchen aus der Schweiz, welche mich freundlicher Weise mit dem Auto bis Apolakkiá mitgenommen haben. Die zwei wollten es am Anfang nicht so recht glauben, dass ich unbedingt hier aussteigen wollte, um mir das Dorf anzuschauen. Von der Hauptstraße aus erkennt man leider nicht die schöne Pracht von Apolakkiá, was mir allerdings auch erst später bewusst wurde. Für eine Nacht erholte ich mich bei einer netten Gastfamilie vom Tag und erlebte bei einem Bier auf der Terrasse ein interessantes Dorf-Abend-Spektakel mit einer Fussball Live-Übertragung für die Jüngeren und Kartenspiele unter den Dorfältesten. Am nächsten Morgen brach nicht nur ich auf, um Kattaviá, das südlichste Dorf von Rhodos zu besichtigen, sondern auch viele der DorfbewohnerInnen, welche zur Arbeit gingen – die meisten in diesem Dorf widmeten sich einer Arbeit, um die Touristen zu versorgen. Das stellt für viele BewohnerInnen in diesem Dorf die Lebensgrundlage dar, erzählte mir der freundliche Kellner. Aber keine Sorge, nach Apolakkiá verirren sich keine Touristen mehr und sind eher stets nur auf der Durchreise. Viele der BewohnerInnen fahren nach Prasonísi oder sogar mit dem Auto nach Rhodos (Stadt), um ihrer Arbeit nachzugehen.

Auf dem Weg nach Kattaviá hielt ein Auto an, ein nettes Pärchen aus Stuttgart wollte mich mitnehmen, allerdings fuhren die beiden leider in die falsche Richtung. Von der Unterhaltung her waren wir uns auf Anhieb sympathisch, die zwei waren sehr an meiner Reiseart interessiert, also tauschten wir die Handynummern aus und vereinbarten am Abend gemeinsam nach Prasonísi zu fahren. Wie perfekt, so wollte ich doch sowieso nach Kattaviá und dann ist es nur noch ein Katzensprung. Möchtet ihr nach Prasonísi, werdet ihr wohl an dem verschlafenen Kattaviá nicht vorbeikommen. Die Tavernen, so schien es mir, leben fast nur von Urlaubern, welche auf der Inselrundfahrt kurz Halt machen und danach wieder weiterfahren – ähnelt ein wenig Siána. Genau das Richtige für mich, um das Dorf, die BewohnerInnen und das typische Leben, auch wenn nur kurz, kennenzulernen. In der frühen Abendstunde klingelte dann mein Handy, das nette Pärchen aus Stuttgart meldete sich und waren zehn Minuten später an der Kreuzung, um wie vereinbart nach Prasonísi zu fahren. Prasonísi ist eine kleine grüne felsige Halbinsel, die durch eine Sandbank mit Rhodos verbunden ist und bildet das äußerste Südende der Insel Rhodos. In den Wintermonaten steigt das Wasser an und setzt die Sandbank mit bis zu 30cm unter Wasser. Schön ist es auch anzusehen, wie die Sandbank die zwei Meere teilt: Rechts das Mittelmeer und links das ägäische Meer. Das müsst ihr auf jeden Fall gesehen haben. Leider hinterlässt der Tourismus auch auf Prasonísi seine Spuren und somit sind einige Bereiche vollkommen verdreckt, schade um die schöne Natur. Für Windsurfer und Kitesufer ist Prasonísi natürlich Gold wert und so werdet ihr die leidenschaftlichen Surfer nicht übersehen. Wer von euch also auch diese Leidenschaft teilt, kann sie hier wunderbar ausleben. Nach unserer gemeinschaftlichen Besichtigung nahmen die zwei mich noch mit nach Líndos, meiner vorletzten Station. Es war eher als gedacht, aber es hatte sich mit dem Auto gut ergeben und so nutzte ich natürlich die Chance.

Líndos ist eines der bekanntesten Dörfer von Rhodos und befindet sich ca. 55km von Rhodos (Stadt). Was mir so gefallen hatte, war die Errichtung des Dorfes an einem Felsen, auf dem die Akropolis von Lindos erbaut wurde. Die Akropolis lohnt es sich zwar zu besichtigen, allerdings ist diese ab ca. 10 Uhr hoffnungslos überlaufen. Falls ihr die Akropolis besichtigen wollt, was ich euch auf jeden Fall empfehlen kann, dann besucht diese ab ca. 16 Uhr, denn dann sind die meisten Touristen mit dem Bus wieder in ihre Hotelburgen gebracht worden. Líndos ist auch eine Autofreie Zone, also falls ihr mit dem Auto fahren solltet, stellt das Auto ein paar Meter vor Líndos ab - na gut, Líndos lässt auch aufgrund seiner dichten Bauweise keine Autos zu. Líndos wird das „weiße Dorf“ genannt, was ich auch bestätigen kann. Ich habe selten so viele weiße monotone Häuser gesehen, wie in Líndos. Die Struktur von Líndos ist von vielen schmalen Gassen geprägt und gleicht einem Labyrinth, mich zu verlaufen gehörte einfach irgendwie dazu. In Líndos blieb ich insgesamt zwei Nächte, wovon ich einen ganzen Tag am Strand verbrachte und mich von den letzten Tagen erholte. Nun stand nur noch eine Station auf dem Zettel, Rhodos (Stadt). Mit dem Bus fuhr ich am frühen Morgen für ein paar Euro nach Rhodos (Stadt), um mir die Altstadt anzuschauen, welche im Übrigen seit 1988 zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört und von einer insgesamt vier Kilometer langen Festungsmauer umgeben wird. Auf dem höchsten Punkt der Altstadt ist dann der Großmeisterpalast zu finden, welcher bei den Touristen auch den Besichtigungshöhepunkt darstellt. In Rhodos (Stadt) bekam ich gleich einen richtigen Schock, so war ich doch vorher immer in kleineren Dörfern mit wenig überlaufenen Bereichen, so war es dort das komplette Gegenteil. Obwohl die Stadt natürlich einiges zu bieten hat, war ich froh nur einen Tag dort verbringen zu müssen. Ein bisschen chaotisch, ein bisschen hektisch, ein bisschen nichts für mich ;) Von Lindos (Stadt) beendete ich meine aufregende Tour und fuhr mit dem letzten Bus zum Flughafen, um zu meiner nächsten Station zu fliegen, Barcelona.

Tipps:

  • Nutzt auf jeden Fall die Badebucht Kap Fourni, hier ist ungestörtes baden (noch) garantiert
  • Ihr wolltet schon immer einmal in zwei Meeren in kürzester Zeit baden gehen? Dann lohnt sich ein Besuch auf der Sandbank Prasonísi
  • Genießt den Honig in Siána, er wird euch gefallen
  • Es lohnt sich definitiv ein Besuch im Grabungsfeld Kritinía
  • Nutzt ruhig das Angebot der dort öffentlichen Verkehrsmittel, das Busnetz ist wirklich sehr ausgereift und die Fahrt günstig. Falls ihr lieber unabhängig agieren möchtet, könnt ihr euch auch für die Inseltour ein Auto mieten, was gerade für die Bergtour zum Vorteil sein könnte - vergleichen könnt ihr die Preise z.B. auf Auto Europe
  • Meidet die Mittagssonne am Strand, auch ich hatte die Sonne etwas unterschätzt
  • Denkt an ausreichend Wasser und an Sonnenschutz ;)
  • Was würde ich noch machen wollen? Nun, den Attavyros besteigen. Nehmt euch die Zeit, es wartet eine unbeschreibliche Aussicht und eine schöne Landschaft
  • Mein Lieblingsdorf ist ausnahmslos Apolakkiá. Falls ich irgendwann noch einmal auf der Insel sein werde, würde ich mir auf jeden Fall ein Zimmer in Apolakkiá mieten – typisches Dorfleben und den Strand könntet ihr bei Bedarf auch nach wenigen Fußminuten erreichen. Vergleicht doch am besten die Unterkünfte und Preise auf HolidayCheck
  • Falls ihr nicht so auf die typischen Hotelhochburgen steht, meidet am besten die Ostküste und den Norden. Die Westküste ist kurz nach Theológos bei weitem nicht annähernd touristisch geprägt und hier findet ihr auch noch das typisch griechische Leben.
  • Meine Tour war schon sehr erlebnisreich, aber auch anstrengend und ist nicht unbedingt für jeden das Wahre. Recht gemütlich könnt ihr auch alternativ vorbereitete Erlebnistouren auf  STA Travel buchen
  • Flüge gibt es auch schon recht günstig, ihr müsst nur am Ball bleiben und Preise vergleichen. Wir vergleichen die Preise immer auf  fly.de - Das unabhängige Flug-Vergleichsportal

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